BLOW UP / blow down              DE
 

BLOW UP / blow down

BLOW UP / 155x112 CM 

BLOW DOWN / 0,24 x 0, 36 cm

B’w negativ,  color dia, Nikon F 3
Giclee print / hahne mühle

AUSSTELLUNG

STANKO HERCEG

 

 

LINIENSTRASSE 113

STJEPAN

B’w negativ,  color dia, Nikon F 3
Giclee print / hahne mühle,
155x112 cm

 

 

BLOW UP

Als Blow-up wird in der Filmtechnik der Wechsel von einem kleineren Kameranegativ-Filmformat auf ein größeres bezeichnet (derselbe Begriff wird in der Werbungsprache auf ein Poster im Megaformat oder einen aufblasbaren 3D-Werbeträger angewandt), gleichzeitig werden jedoch auch sämtliche Schwächen und Fehler des kleineren Filmformates mitvergrößert.

Ganz bewußt bedient sich Stanko Herceg in seinem Zyklus „Blow Up“ der Vergrößerung als stilistisches Mittel. Die zwischen 1992 und 2007 entstandenen Portraitaufnahmen von Personen aus seinem persönlichen Umfeld - Fotografien von Kindern, Künstlern und Kriegern - gewinnen durch die Überdimensionierung auf Formate bis zu 150 x 150 cm und ein reizvolle Wechselspiel von Licht und Schatten auf Schwarzweiß an enormer Intensität und entwickeln sich dergestalt zu über die dokumentarische Qualität hinausgehenden, seltenen und äußerst intimen Persönlichkeitsstudien.

 

Herbert Podkowa

 

blow down

 

Vor vielen Jahren wurde ein Fotograf zur Hauptfigur der Filmerzählung. Als er seine Fotografien vergrößerte, erfuhr er durch Zufall etwas Besonderes über eine prosaische Situation. Außerdem jedoch begann diese Persönlichkeit, ein selbstgefälliger Modefotograf aus Antonionis Blow Up, an der Wertigkeit und Objektivität der auf eine einzigartige und heute noch belebende Weise dargestellten Erscheinungswelt zu zweifeln. Eine ironische Haltung gegenüber dem Gesehenen, gegenüber den Ereignissen der 60er Jahre und banalen Begebenheiten, wie beispielsweise dem Zerschlagen der Gitarre auf der Bühne oder einer Sorgfältigkeit bei der Innenraumgestaltung (und keine in den zwischenmenschlichen Beziehungen), welche die Merkmale des Films sind, stellen den Ausgangspunkt für den fotografischen Zyklus Blow Down von Stanko Herceg dar.

Hier geht es in erster Linie um ein Wortspiel, um die Inversion der Arbeit an der Fotografie, welcher der besagte Film gewidmet ist. Stanko Herceg startet von einer anderen Position – er verringert das Gesehene und bietet unserem Blick mit einer analogen Kamera aufgenommene, schwarzweiße und farbige Werke im Kleinformat (24 x 36 mm). Die Fotografie ist von einer ordinären Qualität, die Darstellung verliert nicht an Überzeugungskraft und Bedeutung und auch scheint es, dass es geradezu die Absicht war, den Zuschauer zu einem „konzentrierten“ Blick zu anzuregen, der auf einen im Sucher der Kamera „angehaltenen“ Blick erinnert. In welchem Maße beeinflusst diese minimalisierte Darstellung die Wahrnehmung und auf welche Weise ändert sich diese Wahrnehmung im Bezug auf die hergestellten Beziehungen im Ausstellungsraum?

Vielleicht kann man dem Autor in einem bestimmten Moment, wenn er von seinen zwecklosen Fotografien redet, auf den Leim gehen, aber ehrlich gesagt, sind die schwer erkennbaren Darstellungen an manchen - für den Autor bedeutenden Orten - entstanden. Von der Komposition und Bedeutung her sind sie größtenteils durch die in der Natur erkannten Orte und besonders durch die Plätze, an denen es zwischen der Natur und Architektur zu einer Diskrepanz kam, bestimmt.

"Architektur ist ein Teil der Natur", findet Stanko Herceg und erklärt, wie alles, was in die Natur mit der Zeit hineingebracht wird, zu ihrem Bestandteil wird, zu einer Richtlinie, die versucht, die Verhältnisse zu definieren und Fragen zu stellen.

Was sehen wir eigentlich? Manche mehr oder weniger alltägliche Szenen, interessante Schatten, gesprungene und baufällige Wände, Details der Architektur aus früheren Zeiträumen. Eigentlich haben wir die Gelegenheit, teilweise dem Weg von Hercegs Blick und seiner Konzentration auf die schwer auffindbaren Plätze zu folgen, da sie manch bekannte, schon gesehene Merkmale haben, während sie zugleich so einzigartig sind. Jeder dieser Orte besitzt ein vom Menschen gegebenes Merkmal; die von Stankos Objektiv aufgefangenen Konstruktionen dieser Territorien verfügen über eine kulturelle Identität, in der sich – im Kontext der Ausstellung – unser Verhältnis gegenüber vielen mit der Kultur verbundenen Fragen widerspiegelt.

Welche Orte sind das? Wir strengen unseren Blick an, versuchen uns an manchen erkannten Einzelheiten „festzuhalten“, aber etwas, was zu keinem Stereotypen oder einem Teil des Wahrnehmungssystems werden möchte, entgeht uns ständig. Die als Ausdruck einer individuellen Identität konstruierten Fotografien aus dem Zyklus Blow Down sind archivierte Notizen von aufgefundenen Territorien. Es sind Anmerkungen über die Erscheinungswelt, die mit den Rekonstruktionen der Wallfahrten des Autors jedoch nicht belastet werden. Von ihnen erfahren wir nicht mehr als das...Gesehene.

Alles, was wir sehen, ist sowohl möglich als auch real. Die piktorialen Werte wurden auch in diesem Falle mit Hilfe der fotografischen Technik geschafft, ohne dass dabei irgendwelche besonderen Mittel benutzt werden. Die Schönheit der Darstellung besteht eben in ihrer Gewöhnlichkeit, auch in der Alltäglichkeit, die wir schon mit ein wenig Mühe erlangen, indem wir uns ins kleine eingeengte Format einleben, dem eigentlich nichts fehlt.

 

Sandra Križić Roban

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