BRUCE LEE 

2007

170x106x110 CM

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Ivan Fijolić ist 1976. in Zagreb geboren, wo er die Schule für angewandte Kunst und Design, und die Akademie der bildenden Künste, Richtung „Lehrer für bildnerische Erziehung“  abschließt. Er stellt an 30 Gesamtausstellungen und 15 selbständigen Ausstellungen im In- und Ausland aus. 

Für seine Diplomarbeit hat er den Rektor Preis der Akademie der bildender Künste gewonnen. Er errichtete drei öffentliche Skulpturen: Fundacija Batta, (Stiftung Batta) Zlin, Tschechien; Park Skulptura (Park der Skulpturen),Vrsar, Kroatien; und Bruce Lee, Mostar, Bosnien und Herzegowina. Bruce Lee ist die erste öffentliche Skulptur dieses Actionheldens in der Welt, die am 26. 11. 2005 aufgestellt worden ist. 

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Von den Elysischen Gefilden 

Nach dem Glauben der alten Griechen genossen die Helden nach ihrem Tode die zarte und beruhigende Schönheit der Elysischen Gefilde, nur gelegentlich pflegten sie diese selige Muße mit einem Duell zu unterbrechen.  Heutige, durch die Massenmedien gestaltete Nachkommen des Herakles, die Superhelden, deren Anzahl mit der Verbreitung und Entwicklung des Marktes ständig wächst, finden nach erschöpfenden kommerziellen Kämpfen ihre verdiente Ruhe im visuellen und bedeutenden Erholungsort des Pop-Art. Diese manchmal vergessenen Helden, die der kommerziellen, oft durch niedere konsumeristische Leidenschaft angeregten Gefechte beraubt sind, sind mit einer feinen Staubschicht bedeckt und nähern sich der Welt der hohen Kunst. Die überdimensionierten und angespannten Muskeln strahlen nicht mehr raue Aggression und Testosteron aus: nun werden sie durch eine zappelige Anspielung bewegt und kokettieren gelassen mit knabenhaften Leidenschaften und ironischer Übermacht.

          Die Ikonen der Popkultur, deren Protagonisten der Kunstkolonie der Spielzeuge von Ivan Fiolić angehören, erstrecken sich von erkennbaren, globalen Symbolen wie Superman, von realen Personen, wie es Bruce Lee war, von Comic-Helden bis zu den „Glorreichen Sieben “.

Die Ausstellung in der Berliner Linienstraße ist ein vorübergehender Ablageort der Heldengestalten auf Urlaub, die ihre Zuflucht aus den Seiten des Zelluloids, des Comics und aus der Sphäre der Massenmedien in Galerieräume gefunden haben. Zu den ersten, die der Künstler noch im Kindesalter als Kunstwerk gesegnet hat, gehören die Plastikfiguren von Ringkämpfern und Kriegern, in Assemblagen zusammengestellt, von ihm selbst fotografiert. Die replizierten Fotografien dieser ersten Installationen sind neben der in rosa Plastikmasse ausgegossenen Gestalt von Bruce Lee ausgestellt. Eine Replik des Denkmals des „Kleinen Drachens “, das Ivan Fijolić für einen Park in Mostar in Zusammenarbeit mit „Urbani pokret Mostar “ (Städtische Bewegung Mostar) 2006 errichtet hat, repräsentiert für die Kindheit der zwischen 1968 und 1980 geborenen Generation einen realistischen Helden, der diesmal in einer fluoreszenten rosa Plastikmasse gegossen ist, und zwar in demselben Magentaton, der durch seine bloße Anwesenheit auf die Unausweichlichkeit der Korporation der Deutschen Telekom in einer vollkommenen Welt der Werbung hinweist. Bruce Lee, tragisch verunglückt noch in einer Zeit, als die korporative Faust nicht von Magenta überdeckt war, der durch seine geschickte, unbewaffnete Handfertigkeit mit der vernünftigen konfuzianischen Klugheit die orientalische Weisheit und die Kampfkünste unter den breiten Schichten im Westen propagierte, möchte wahrscheinlich aus der eigenen Haut springen. Vielleicht gibt diese Kontraindikation durch flimmernde, grell-rosa plastisch verkörperte Flächen der Gestalt nicht nur eine Dynamik auf der Ebene der Bedeutung.

          Die vierzehn Stationen des Kreuzweges sind in einem etwas kräftigeren und mehr monumentalen Medium geschaffen: in schwarzem Leichenmarmor. Darin sind beiläufige Zeichen und Gekritzel aus dem Notizblock des Künstlers eingeschnitten: indem das erste, beinahe organische Zeichnen in ein anderes Medium übertragen wurde, gewann es danach etwas vom stumpfen naiven Charme und die Ikonographie gehört auch dieses Mal den Massenmedien, da sie Gestalten der populären, figurativen Sprache der kürzlich verstorbenen Starletts bis zu neuen Hieroglyphen der Straße umfasst. Aber die Katharsis, erzeugt durch diese vergnügende Tat ist nur ein bitteres Gelächter, das unter den Grabsteinen wiederschallt.

          Wie stark potent und dominierend auch die lederne Gestalt von Superman wirkt, noch beeindruckender ist der leere Raum zwischen den zwei Paaren Porzellanstiefeln. Die Installation besteht aus zwei Paar unmännlich winzigen und weißen traditionellen Cowboyschuhen, beschlagen mit einem absonderlichen und verrosteten Metallgitter. Der darunter erzeugte Spannungsraum, wenn man auch die winzigen Schusswaffenrepliken an den Sporen berücksichtigt, ist ein echtes, bizarres Duell der Phantasmen. Von den „Glorreichen Sieben “ blieben nur noch die Stiefel übrig (hat man sie vielleicht, in echter Comic-Manier, mit einem Schlag aus den Stiefeln hinauskatapultiert?), auf die Größe eines Porzellanschmuckes und den Rost an den Sporen reduziert.

          Bilder und Figuren werden oft als lebendige Organismen erlebt und in einer echten animistischen Manier werden ihnen magische Kräfte beigemessen – W.T.J. Mitchell, Theoretiker der visuellen Kultur, gründet darauf seinen Zugang zur visuellen Perzeption. Die Sachlage wird dabei viel klarer, wenn man auf die Tatsache aufweist, dass sich die visuelle Kultur auf ihre gebildete Vorläuferin, der Ikonologie gründet. Ikonen der populären Kultur unserer Zeit zeigen das komplexe Verhältnis zwischen der Vorstellung, dem Wunsch und einer konstruierten Wirklichkeit sehr deutlich.  Und all diese schwierigen Begriffe lassen in einer gelegentlichen Inszenierung des eigenen persönlichen Universums freien Raum für Humor, ein magisches Hilfsmittel zum Überleben.

Jasna Jakšić